Was von den Web-Trends 2025 wirklich geblieben ist
Wer sich 2024 und 2025 durch Agentur-Blogs gelesen hat, stiess überall auf dieselben vier Themen: Künstliche Intelligenz, Voice Search, Motion Design und Progressive Web Apps. Alle wurden als unverzichtbar angepriesen, alle sollten das Web «revolutionieren». Jetzt, Anfang 2026, lässt sich nüchtern beurteilen: Was ist tatsächlich angekommen – und was war Erwartungsmanagement?
Dieser Artikel ist kein weiterer Trend-Report. Er ist ein Rückblick aus der Perspektive einer Agentur, die täglich Websites und Web-Applikationen für Schweizer KMU entwickelt und betreut.
KI: Angekommen – aber anders als versprochen
KI ist der einzige Trend aus dieser Liste, der sich wirklich durchgesetzt hat. Aber nicht so, wie die meisten Artikel es 2024 prognostizierten.
Die Realität: KI hat das Prototyping und das Entwicklungstempo verändert. Code-Assistenten beschleunigen Routineaufgaben erheblich. Für die Erstellung von Textinhalten, für erste Entwürfe, für interne Automatisierungen – da ist KI heute ein echtes Werkzeug. Was KI nicht verändert hat: die Notwendigkeit solider Architektur, durchdachter Datenbankmodelle und verantwortungsvoller Sicherheitskonzepte. Wer glaubt, KI ersetze die Entwicklungsexpertise, wird das spätestens beim Go-live merken.
Für Schweizer KMU konkret: KI-gestützte Tools können interne Prozesse beschleunigen – von der Klassifizierung von Kundenanfragen bis zur automatisierten Aufbereitung von Berichten. Der Nutzen ist real, aber er erfordert Integration, nicht nur Installation.
Voice Search: Der Trend, der nie ankam
Voice Search war 2022–2023 in jedem zweiten Trend-Artikel. Die These: Siri, Alexa und Google Assistant würden die Art, wie Menschen nach Unternehmen suchen, fundamental verändern.
Das ist nicht passiert – zumindest nicht für Schweizer KMU. Sprachsuche hat sich im Konsumentenbereich etabliert, für einfache Anfragen wie Wetter, Rezepte oder Öffnungszeiten. Für B2B-Entscheidungen, für komplexe Dienstleistungssuchen, für den Einkauf von Webentwicklungsprojekten: kein messbarer Einfluss.
Der praktische Schluss: Wer seine Website für Voice Search optimiert hat, hat Zeit investiert, die woanders besser aufgehoben gewesen wäre. Strukturierte Daten und klare FAQ-Sektionen sind trotzdem sinnvoll – aber wegen der allgemeinen SEO-Qualität, nicht wegen Voice Search.
Motion Design: Standard, nicht Differenzierung
Motion Design hat sich durchgesetzt – aber gerade deshalb ist es kein Differenzierungsmerkmal mehr. Animierte Seitengänge, Scroll-Effekte, hover-animierte Elemente: das ist 2026 auf jeder zweiten professionellen Website zu finden.
Was oft vergessen wird: Motion Design kostet Ladezeit. Schlecht implementierte Animationen verschlechtern die Core Web Vitals – also genau die Performance-Metriken, die Google für das Ranking heranzieht. Wir sehen das regelmässig in Audits: eine visuell beeindruckende Website mit einem PageSpeed-Score unter 60.
Die sinnvolle Linie: Animationen, die Navigation und Verständnis unterstützen – ja. Animationen als Selbstzweck – nein. Und immer mit einem Auge auf die Performance-Werte.
Progressive Web Apps: Reif, aber nicht für jeden
PWAs haben sich in bestimmten Bereichen klar bewährt – überall dort, wo ein natives App-Erlebnis gefragt ist, ohne den Umweg über App-Stores. Wir haben PWAs für Kundenportale, Buchungssysteme, Matching-Plattformen und Projektmanagement-Tools entwickelt. Der Vorteil ist real: ein Produkt, automatische Updates, keine Store-Abhängigkeit.
Aber: PWAs sind kein Allheilmittel. Für eine Unternehmenswebsite mit Kontaktformular und Dienstleistungsbeschreibungen ist eine PWA überdimensioniert. Die Entscheidung hängt davon ab, ob interaktive App-Funktionen – Offline-Fähigkeit, Push-Benachrichtigungen, gerätenahe Features – tatsächlich gebraucht werden.
Was 2025 wirklich wichtig war – und 2026 bleibt
Während die Trend-Artikel über KI und Voice Search schrieben, haben sich zwei Entwicklungen still durchgesetzt, die für Schweizer KMU deutlich relevanter sind:
Performance ist SEO. Googles Core Web Vitals sind kein technisches Detail mehr, sondern ein direkter Rankingfaktor. Ladezeit, Interaktivität und Layoutstabilität bestimmen mit, ob eine Website gefunden wird. Wir sehen in der Praxis regelmässig, dass ein Performance-Audit mehr bringt als ein Relaunch.
Barrierefreiheit ist Pflicht. Das Schweizer Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) schreibt für Bundesbehörden bereits heute Barrierefreiheit vor. Für private Unternehmen wächst der Druck – durch EU-Anforderungen, durch Kundenerwartungen, durch Haftungsrisiken. Wer heute eine neue Website baut, sollte Barrierefreiheit von Anfang an einplanen, nicht nachträglich nachrüsten.
Was das für dein nächstes Projekt bedeutet
Trends sind nützlich als Orientierung – aber sie ersetzen keine Analyse der eigenen Situation. Die besseren Fragen vor einem Web-Projekt sind nicht «Welche Trends nutze ich?», sondern: Welche Prozesse will ich digitalisieren? Welche Nutzer sollen die Website oder Applikation bedienen? Was muss sie leisten – heute und in drei Jahren?
Wer diese Fragen klar beantworten kann, trifft bessere Entscheidungen als jemand, der einen Trend-Artikel als Briefing-Grundlage nimmt.
Wenn du ein Web-Projekt planst und eine nüchterne Einschätzung möchtest – ohne Hype und ohne Eigeninteresse an einer bestimmten Technologie – melde dich für ein erstes Gespräch.
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