Wenn der Notfall-Sanitär die Kunden abzockt

Sanitäre, die gar keine sind, treiben derzeit in der Schweiz ihr Unwesen. Die Kunden locken sie mit suchmaschinenoptimierten Webseiten an. Wie das funktioniert und mit welchen Tricks Sie die Masche der Betrüger durchschauen.

Eine verstopfte Toilette oder ein kaputter Abfluss: bei einem sanitären Notfall muss oft sofort gehandelt werden. Eine schnelle und saubere Lösung erhoffte sich auch eine Frau, nachdem sie in ihrem Haus ein verstopftes Rohr entdeckte. Schnell ging sie auf Google, suchte nach Sanitärer Notfalldienst und stiess auf  die Firma Sani24s. Und damit sollte der Ärger erst so richtig beginnen. Denn nach zwei Stunden Arbeit hatten die Sanitäre den Schaden zwar nicht behoben, was sie aber nicht davon abhielt, eine gesalzene Rechnung zu stellen. 2028 Franken forderten sie – und zwar in bar. Die Frau war Opfer von Betrügern geworden, wie der Kassensturz am vergangenen Dienstag in seinem Beitrag zeigte. Damit war sie kein Einzelfall. Weitere Betroffene meldeten sich bei der Konsumentensendung. Vielen anderen dürfte es ebenso ergangen sein.

Die Masche der Hochstapler ist einfach. Sie setzen auf eine möglichst gute Platzierung bei Google. Denn gerade bei Notfällen zu Randzeiten ist die Suchmaschine oft erste Anlaufstelle. Dazu suchen sie sich eine Nische mit wenig Konkurrenz im Netz, beziehungswiese einer Konkurrenz, die wenig Aufwand in die Optimierung ihrer Internetauftritte steckt. Die Webseite der Abzocker hingegen wird in allen Bereichen suchmaschinenoptimiert. So erzielen sie bereits eine recht gute Platzierung in den Suchresultaten.

Faule Tricks bei der Suchmaschinenoptimierung

Um noch besser abzuschneiden, arbeiten sie aber auch bei der Suchmaschinenoptimierung mit unsauberen Methoden. Und zwar indem sie jede Menge Backlinks sammeln. Sie posten also tausende von Links zu ihrer Webseite auf  verschiedenen Blogs und Foren. Viele dieser Backlinks sind für Google ein Signal für eine gut vernetzte Homepage, was die Suchmaschine mit einer besseren Platzierung in den Suchresultaten belohnt. Wer zu viele solche Links im Internet verteilt, erscheint hingegen verdächtig. Das merkt auch Google und bestraft, indem die entsprechende Seite nach kurzer Zeit ganz aus dem Ranking fliegt. Diese Strafe ist für die Betrüger jedoch kein Problem. Denn fliegt ihre Seite raus, stellen sie kurzerhand eine neue mit denselben Inhalten online. In Ländern wie Pakistan oder Indien werden solche Webseiten zu kleinsten Preisen erstellt. 

So sehen betrügerische Webseiten aus

Doch wie können Internetnutzer die betrügerischen Webseiten entlarven? Am einfachsten geht das mit einem kurzen Blick hinter die Kulissen. Mit Hilfe vom WHOIS-Dienst http://whois.domaintools.com/ kann die entsprechende Internetadresse ins Suchfeld eingegeben werden. Schon spuckt das Tool Informationen zur Webseite aus. Ein Indiz für eine Hochstapler-Seite ist das Datum der Domain-Registrierung. Ist diese erst vor wenigen Tagen oder Wochen erfolgt, hat das Geschäft entweder einen brandneuen Internetauftritt oder es ist eben nicht alles ganz sauber. Zudem wird bei WHOIS ausgewiesen, auf wessen Name die Domaine registriert wurde (siehe Screenshot unten). Ist der Betreiber nicht namentlich ersichtlich, ist das schon mal sehr verdächtig.

Für einen weiteren Test braucht es kein besonderes Tool, sondern nur Google selbst. Einfach auf der verdächtigen Seite eine charakteristische Textstelle kopieren und sie bei der Suchmaschine in Anführungszeichen gesetzt eingeben. Erscheinen viele Internetseiten mit ähnlichen oder gar identischen Inhalten, ist klar: hiervon sollte man besser die Finger lassen.

Die Abzocker-Sanitäre haben übrigens seit der Kassensturz-Recherche den Namen und auch die Homepage bereits mehrfach gewechselt. Derzeit ist unter vielen anderen eine verdächtige Webseite mit der folgenden URL online: www.myrohr.ch

Über den Autor

Gregor Favre
Managing Director
INSOR AG, Zurich
Managing Director der INSOR, auf Webdesign und Entwicklung spezialisiert mit Aktionsfeld in der Deutschschweiz und der Romandie.

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